Der einfachste Weg zur Harmonie im Social Dancing – Podcast Episode #4

Transkript der Episode:

Warst du einmal in eine Aktivität so sehr vertieft, dass du das Gefühl von Zeit und Raum verloren hast, weil du “in the zone” warst?

Es ist dieses Gefühl, dass du ganz in dem Moment bist und deine Umgebung kaum eine Rolle spielt. Du denkst an nichts anderes als an diese Aktivität und du hast das Gefühl, dass Vieles fast automatisch und von alleine fließt… Auf englisch würde man dazu Full Immersion sagen..

Das ist dieser Zustand, den man in der Psychologie Flow nennt und damit beschäftigen wir uns in dieser Episode.
Noch wichtiger, wir beschäftigen uns mit einer Art Rezept, wie du diesen Flow selbst in deinem Tanzen kreieren kannst!
Let´s flow!

Das Prinzip von Flow wurde von Mihail Csikszentmihalyi (sprich das mal laut und schnell aus) in den 90igern Jahren bekannt gemacht.

Flow ist laut ihm ein Zustand, bei dem wir mit unserem ganzen Wesen und allen Sinnen in die Materie eintauchen.
Im Social Dancing ist dieser Zustand natürlich sehr wünschenswert. 
Wir wollen beim Tanzen in dem Moment sein und dieses magische Gefühl von Flow spüren!

Die meisten Tänzer*innen aber hoffen auf eine glückliche Fügung aus passendem Partner, richtiger Musik oder noch besser sie warten auf den richtigen Moment, damit dieser Flow entsteht.
Wenn Hoffnung zur Strategie wird… Das ist doch kein erstrebenswerter Weg, oder?

Wie im Intro bereits erwähnt, es gibt also eine Art Konzept oder Rezept, wie du einen harmonischen Tanzfluss selbst gestalten und eigentlich immer reproduzieren kannst, statt darauf zu warten, dass es zufällig oder von alleine passiert.
By the way, beim Tanzen (und auch im Leben) passiert nix von alleine. Ich finde, alles ist ein Produkt eines bewussten oder unbewussten Trainings bzw. einer Konditionierung.

Wollen wir nicht diese Konditionierung selbst gestalten?
Nur so eine Frage nebenbei…

Flow im Social Dancing

Viele meine Kursteilnehmer*innen können dieses Wort Flow fast nicht mehr hören, weil ich es so oft (zu oft?) in meinem Unterricht verwende.
Ich habe mich seit Jahren speziell mit dem Thema Flow bzw. Tanzfluss beschäftigt, da es meiner Meinung nach eine grundlegende Rolle im Social Dancing spielt.
Es ist sogar systemrelevant! Bäng!
Wir finden dieses Flow-Prinzip so wichtig, dass es auch die erste Säule unserer 5-Schritte-Formel zu einem ganzheitlichen Tanzerfolg ist. Das war das Thema in der vorigen Folge. Höre mal nachher rein, falls du sie noch nicht gehört hast.

Beginnen wir aber andersherum: was passiert eigentlich, wenn wir keinen Flow in unserem Tanz haben?

Wenn wir beim Tanzen nicht im Flow sind, dann verbrauchen wir sehr viele Ressource für jeden auch noch so einfachen Aspekt unseres Tanzens.
Dadurch werden kaum Ressource für die Kreativität und Harmonie mit dem Partner bzw. mit der Musik übrig bleiben.

Da ist dieses Gefühl von übermäßiger Anstrengung und Bemühung, damit gerade die simpelsten Komponenten unseres Tanzes erfüllt werden. Das Gegenteil von Effizienz also…
Was meine ich damit konkret?

Wenn eine Figur nicht nahtlos in die andere übergeht.
Wenn der Leader dauernd darüber nachdenken muss, was er als Nächstes tanzen will, statt, dass es automatisch passiert.
Wenn die Follower das Gefühl bekommen, die Leader haben keine Kontrolle und wissen nicht, was sie wollen.
Dieses dauernde Kopfkino und die ständige Frage im Kopf: “Und was jetzt?”

Kannst du das nachvollziehen?
Wir alle haben solche Tänze erlebt und das ist völlig normal…

Gibt es also ein Rezept oder eine Formel für diesen Flow-Zustand im Social Dancing?
Ja, das gibt es!

Das Flow-Rezept im Social Dancing

Ich bin normalerweise kein Freund von Rezepten und Formeln, da sie oft etwas absolutes und starres implizieren. Ich bin eher ein Freund von Prinzipien und Konzepten, da diese flexibler und ganzheitlicher sind. In diesem Fall passt es aber, denn es ist sehr einfach.

Es gibt einen Zugang, wie du immer einen Zustand von Flow in deinem Tanzen kreieren kannst.
Die Lösung lautet: Basics Flow!

Ich erkläre es gleich und verwende dafür eine Analogie aus der Musik.

Stell dir einen Swing-Song (oder Rock´n Roll) und den Klang des Kontrabasses vor : dun dun dun dun dun…
Alles klar? Bist du noch da?

Der Bass ist generell in den meisten Lieder eine Art Träger und viele Bands können sich einen Gig ohne den Bassisten kaum vorstellen.
Der Bass gibt dem Song eine rhytmische Unterlage, die wie ein Bindeglied zwischen den anderen Instrumenten dient. Es gibt dem Song eine Substanz, bzw. eine solide Grundlage.
Das ist für mich der Basics Flow im Tanzen! 

Was verstehe ich unter Basics Flow?

Der Basics Flow ist eine Aneinanderreihung von Basic Figurenelementen eines Tanzstils in einer beliebigen (aber nicht willkürlichen) Abfolge, die dynamisch ist. Sprich die Abfolge sollte nicht immer die Gleiche sein… By the way, wir sprechen hier von ca. 6 bis maximal 10 Elementen.

Diese Basics Flow-Abfolge repräsentiert eigentlich den Bass in einem Song – sie ist die Grundlage, auf der weitere Figuren, bzw. eventuell Styling, Variationen und Musikinterpretation aufbauen.

Jetzt kommt aber eine wichtige Sache, die der Schlüssel der Umsetzung dieses Flow-Konzepts ist:
Die Basics-Flow-Abfolge der Grundelemente soll den Grundschritt komplett ersetzen! 

Das Gegenteil davon wäre folgendes Szenario:

Wir tanzen den Grundschritt öfters hintereinander und dann fällt dem Leader eine komplexere Figur ein. Wir tanzen dann diese Figur und wenn dem Leader nichts mehr weiter einfällt, kehren wir wieder zu unserer Grundschritt-Schleife zurück, weil sie uns so leicht fällt…

Das ist wie wenn ein ganz ruhiger Fluss aus dem heiteren Himmel und ohne Ankündigung zu einem Wildwasser Parcour wird.
Nur so nebenbei, ich war vor zwei Wochen an so einem Fluss in meiner Heimat – einer der weltbekanntesten Flüße für Rafting – Una!
Unglaubliches Naturschauspiel!
So faszinierend das ist, so unangenehm ist es, wenn du beim Rafting unangekündigt aus einem scheinbar ruhigen fast Seeähnlichem Wasser in den Abgrund getrieben wirst.

Meiner Meinung nach fliesst der Tanz deutlich angenehmer, wenn wir in unserem Tanz eine dynamischere Grundbewegung als Basis etablieren (eben den Basics Flow) statt “nur den Grundschritt” zu tanzen.
An dieser Stelle bitte ich dich mich nicht falsch zu verstehen.
Ich betone hier noch einmal, dass ein gelegentlich getanzter Grundschritt kein Problem darstellt. Wenn du aber den Grundschritt, 3, 4 Mal oder gar noch öfter hintereinander tanzt… Das wird zu einem Problem… Kopfkino vorprogrammiert…

Die Herausforderung beim Flow-Prinzip

Das hört sich bis jetzt vielleicht banal und trivial an…

Das ist doch easy! Ich ersetze also den Grundschritt mit ein paar Basicelementen und tanze den Grundschritt so selten wie möglich (oder nie), um mehr Tanzfluss zu generieren, oder? E.A.S.Y!”

Seit Jahren beobachte ich aber, wie schwer sich viele unsere bereits erfahrene Kursteilnehmer*innen tun, dieses an sich simple Prinzip in ihr Tanzen zu integrieren und dann erst zu automatisieren. 

Sie sehen zwar sofortige Benefits davon und wollen diesen Flow-Zustand unbedingt automatisieren, aber es ist eben nicht so leicht obwohl so simpel. Viele merken gar nicht, wie oft sie tatsächlich den Grundschritt als alleinstehendes Element unbewusst tanzen.

Aber genau das macht den Unterschied auf der Tanzfläche aus. 

Je eher wir das Prinzip von Basics Flow bewusst trainieren und in unser Tanzen gezielt integrieren, desto eher können wir andere (attraktive) Aspekte von unserem Tanzen angehen.

Ein ganz liebes Pärchen (vor Jahren) hat am Ende einer Privatstunde regelrecht geweint… weil sie durch das Konzept vom Basic Flow auf einmal einander entdeckt, gesehen und wahrgenommen haben. Sie sind sich dadurch viel näher gekommen.
Das war eines meiner schönsten Unterrichtserlebnisse. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke und das war vor vielen Jahren.

Heisst das jetzt, dass ich keine komplexen Figuren tanzen soll/darf?
Keineswegs!
Du kannst! Aber du musst sie nicht tanzen, um eben das Gefühl von Fluss und Abwechslung zu kreieren! Das macht den Unterschied!

Diese komplexen Figuren werden optional, statt ein Muss!
Noch etwas Wichtiges und dann werden wir diese Episode langsam abschliessen:

In meinem Tanzen wechsle ich ständig zwischen dem ruhigen Basics Flow Part und den Phasen, in denen ich flotte komplexen Figuren tanze. Ich will ja nicht ständig komplexe Figuren tanzen, nur weil ich sie kann.
Ich fahre ja auch nicht mit meinem Auto dauernd Vollgas, nur weil ich die PS habe!

Manchmal willst du cruisen und manchmal willst du eben auf die Tube drücken.
Du hast die Wahl…

Eine letzte Sache, die ich aber nicht hier weiter vertiefen möchte – diese Tanzgestaltung ist hauptsächlich die Aufgabe des Leaders. Es liegt wohl auf der Hand, dass die Follower ihre Leader nicht wirklich gut durch die Gegend steuern können, welche Elemente sie jetzt tanzen sollen.
Aber als Follower kann ich mit meinem Partner nach dem Tanze darüber reden.
Ich kann ihm z.B. diese Podcast Folge schicken.
Conny und ich habne auch vor Kurzem ein mittlerweile sehr beliebtes Video zu diesem Thema aufgenommen. Ich verlinke es in den Shownotes auf unsererer Seite.
Socialdancingacademy/4

Und wenn du wirklich nicht nur verstehen willst, wie das in Praxis funktioniert, sondern wenn du dieses ultrasimple aber extrem effektvolle Flow-Prinzip in deinem Tanzen anwenden willst, in unserer Academy haben wir einen umfassenden Kurs, der sich nur dem Thema Tanzfluss widmet.
Unter Social Dancing Academy Seite findest du alle Informationen, wie du sehr günstig Member werden kannst!

Fazit

In den letzten Monaten haben wir in der Academy sehr viele Online Zoom-Coachings unterrichten dürfen und in mindestens 80% der Fälle war Flow ein großes Thema. Als wir das zuerst angegangen sind, haben weitere Bereiche automatisch davon profitiert und wir konnten sie dann effizienter trainieren.

Man kann den Flow im Tanzen mit einer Art sehr willkommenen Autopilot betrachten.

Alles flutscht einfacher, leichter und unkomplizierter.

Der Druck komplexe und ach so raffinierte Figuren tanzen zu müssen schwindet und es stellt sich eine gewisse Sicherheit und Souveränität ein. Das habe ich so oft beobachtet und ich sage dir – schon das Beobachten von so einem “Flow-Tanzpaares” ist ein Genuss. Und erst wenn man es selber spürt und nicht nur beobachtet… Huiiii!

Ich habe jetzt viel gesagt, drum möchte ich, dass du jetzt wirklich die Essenz dieser Episode mitnimmst, sprich den wichtigsten Schritt der Flow Methode verstehst:
Versuche also in deinem Tanzen den Grundschritt mit wenigen Basic Figurenelementen zu ersetzen und schau, dass du diese Elemente unterschiedlich miteinander kombinierst und varierst.
So kreierst du das Gefühl der Abwechslung und eigentlich dieses Gefühl der Fülle.
Tanze diesen Basics Flow entweder dann, wenn dir sonst nix einfällt, es soll also automatisert werden, oder wenn du den Tanz nach einigen turbulenten und komplexen Figuren ein wenig beruhigen willst.

Die Crux befindet sich im Automatiseren dieses Beasics Flow. Du sollst dafür kaum Ressource verbrauchen können. Es soll wie ein Autopilot funktionieren.

Das wiederum kreiert Ressource für viele anderen wichtigen Sachen beim Tanzen… die Musik wirklich zu hören, den Partner wirklich zu sehen, sich selbst dabei zu beobachten…um nur ein paar zu nennen…

Stay in flow und häppy Dancing!

 

 

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Responses

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  1. Hmm… statt “automatisch” würde ich evtl. das Wort intuitiv nehmen, denn automatisch/Autopilot steht vollkommen im Widerspruch zu dem, was jeder Tänzer und jede Tänzerin beim Tanzen tut: Jeden Moment immer wieder neu entscheiden.

    Beste Grüße von musicalFlow 😉