Liebe Tanzlehrer*innen, ist Tanztechnik so schlimm? – Podcast Episode #42

Es ist höchste Zeit Klartext mit meinen Tanzlehrer Kollegen zu reden!

Manche meiner Kollegen müssen die Botschaften und Gedanken aus dieser Episode noch öfter hören als andere, wenn sie up-to-date und eigentlich überhaupt relevant für ihre Kunden bleiben wollen.

Allerdings widmet sich diese Folge nicht nur den Tanzlehrenden, sondern allen Tänzer*innen.
Denn eines der Themen dieser Episode ist unter anderem eine (zu) große Kluft zwischen dem lokalen (Tanzschul)Unterricht und dem Unterricht auf  den Festivals und internationalen Workshops. Vor allem in Hinblick auf die Tanztechnik, Authentizität und Prinzipien eines Tanzstiles.
In dieser Episode erkunde ich Gründe für diese Unterschiede und was wir Tanzlehrer*innen machen können, um am Zahn der Zeit zu bleiben!

Lass mich gerne unten im Kommentarbereich deine Meinung bzw. deine Erfahrung dazu wissen.

Dance And Make A Difference

 

 

 

 

Rückmeldungen

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  1. Lieber Dado,
    du sprichst uns aus der Seele: Figuren, Figuren, Figuren statt Technik. Darum haben wir mit regulärem Tanzunterricht aufgehört, holen uns Anregungen auf Festivals, online und mit Tanzurlauben, üben zuhause und gehen zum Austanzen auf Tanzparties. Wir haben in unserem näheren Umfeld leider keine Tanschule, die annähernd das vermittelt, was wir suchen und was wir bei Dir und Conny in der SDA finden.
    Liebe Grüße
    Otmar

  2. Hallo Dado, ja da sprichst du etwas an was mich seit meiner Tanzentwicklung begleitet. Wer mehr will an Tanzentwicklung und Tanztechnik muss sich schon selbst sehr bemühen um fündig zu werden denke ich.
    Meine Erfahrungen teilen sich in Tanzschulen und in Tanzsportvereinen. In letzteren als den Vereinen findet man eher Technik in den Unterrichtseinheiten und gar nicht selten. Da ist es allerdings eher Turnier Orientiert und weniger Social Orientiert. Trotzdem erlebe ich gerade in der jetzigen Zeit einen Zuwachs an Mitgliedern. Diese Leute wollen Technik und sich im Tanzen entwickeln. In den Tanzschulen ist Technik eher selten zu finden und wenn, dann in Extra Kursen (für Streber – hahaha). Meist erlebe ich da sich wiederholenden Figuren-Unterricht an dem die Tanzschüler allerdings sehr zu knabbern haben und selten Fortschritte machen (zumindest nicht schnell). Bei Tanzschulen steht meist im Vordergrund das die Leute sich dort wohlfühlen sollen in netter Gesellschaft und meist kommen die Leute auch so wie es gerade passt und sie lassen auch gerne mal Unterricht ausfallen. Wenige (Streber hahaha) suchen dann oft auch ergänzende Angebote oder wechseln sogar zu TAnzschulen die auch mal weiter weg sind.
    Jetzt versetze ich mich auch mal in die Rolle der unterrichtenden (Ein bisschen Erfahrung konnte ich da sammeln) Für manche Lehrer ist es auch wenig motivierend wenn Schüler den Unterricht nicht so ernst nehmen und öfter fehlen. Ich kenne ein paar Tanzlehrer, die regelrecht aufblühen, wenn Schüler sich interessieren und Fragen stellen und üben und weiterkommen wollen (mir geht es da ähnlich mit der Motivation). Ein bisschen lebt man als Unterrichtender doch auch von den Interessierten und motivierten Schülern oder wie geht dir das so?
    Wenn Tanzlehrer sich bemühen moderne Konzepte zu entwickeln und sich den Kopf zerbrechen darüber wie sich Schülern effizienter im TAnzen fördern können und die das aber nicht erkennen wollen/können oder nicht würdigen und das eher als “nett” sehen wenn das angeboten wird – hmm also mir kommt da schon mal der Gedanke ob es das dann Wert ist und ob das nicht Perlen vor die Säue geworfen ist ( Das dauert Gottseidank nur kurz an) Meist überwiegt die eigene Überzeugung das man etwas verändern/ verbessern will und das als seine Berufung sieht im Unterrichten und auch selbst sich dadurch zu entwickeln. In diesem Sinne Häppy Dance-Evolution. 😉

  3. Lieber Dado,

    ich kann das mit unterschreiben.Ich mache zwar hauptsächlich Kindertanz und Jazz und Modern dance.
    Aber auch wenn wir Mal woanders tanzen gehen hören wir häufig Haltung und Technik wird gar nicht gelehrt.

    Unser Sohn (21)wird Offizier bei der Bundeswehr und hatte in diesem Rahmen Tanzunterricht (gut er konnte schon tanzen☺️).
    Und hatte dann noch eine Kollegin die auch tanzen konnte,Die beiden haben sich in Haltung gestellt aber trotzdem nur die vorgegebenen Schritte getanzt.Da kommt die Tanzlehrerin zu den beiden und sagt,das ginge jetzt aber nicht das sie sich so in Haltung stellen🙉.

    Mein Sohn sagt ,ist halt automatisch wenn man es Mal kann und hat es dann trotzdem gemacht.

    Und ja ich unterrichte die Kinder heute auch anders als vor 7 Jahren wo ich angefangen habe,habe immer wieder neue Ideen.
    Und ich finde eure Academy super und habe mir schon viele Anregungen für mich persönlich und auch für meine Fitnesskurse mitgenommen.

    Liebe Grüße Bianca

  4. Lieber Dado,
    ich kann gar nicht oft genug “Danke” sagen.
    Mein Mann und ich fingen vor rund 20 Jahren an zu tanzen, Tanzschule. Rumba, Chacha die “Wiege” auf die 1 (???), ausgedrehte Füße, Körperspannung, Ferse, Ballen, womöglich auch noch Innenkante, Spotten bei Drehungen, Drehgrade usw. usw. usw. – fand alles keine Erwähnung. Ich denke es ist völlig egal, ob Social oder Ballroom, die Grundprinzipien des jeweiligen Tanzes bzw. des Tanzens allgemein müssen vermittelt werden, damit Tanzen gesund ist (Gelenke…), funktioniert (Spannung, Gewichtsübertragung usw.) und auch im Paar harmonisch ist (führen/folgen usw.). Ansonsten stolpert man irgendwie durch die Gegend und freut sich letztendlich, dass man einigermaßen schadlos überlebt. Mein Mann und ich sind nach der Tanzschule in einem Verein gelandet, in dem feste Choreos unterrichtet wurden (lange Seite, kurze Seite). Discofox, Salsa, Westcoastswing sind “doof” und “langweilig” – aha… wie du sagst, die Trainerin konnte es halt einfach nicht. Nach rund 10 Jahren Tanzens konnte mein Mann nicht führen, dank der festen Choreos, auf Bällen oder so konnten wir nicht tanzen, weil da eben kein Platz für eine lange oder kurze Seite war, unsere Haltung war nach wie vor bescheiden und bei allem aus dem Social-Bereich mussten wir den Stuhl hüten. Dann wurde ich überredet den Trainerschein zu machen, Breitensport C nur, aber immerhin. Und die Welt war eine ganz neue. In unserer Trainerausbildung sind mir zwei Aussagen von zwei unterschiedlichen Trainern als extrem wichtig in Erinnerung geblieben: “Jeder hat eine Vita!” (will heißen, denkt immer dran, nur weil jemand vielleicht beim Tanzen dies oder jenes nicht so gut hinbekommt, macht ihn das nicht zu einem minderwertigen Menschen) und “Jeder, auch jeder Anfänger, hat ein Recht auf einen qualitativ hochwertigen Unterricht! Das bedeutet auch, dass ihr euch euer Trainer-Leben lang weiterbilden wollen müsst.”

    Ich habe viele Paare schon lange in meinen Tanzkreisen. Andere sind immer mal hinzugekommen. Und ich unterrichte in jedem Training immer auch einen Teil Technik. Wenn sie neu sind und das noch nicht kennen, mache ich eine kleine Übung mit ihnen, die meistens zum Erfolg führt: Ich lasse sie New Yorker tanzen, Rumba, und bitte darum, dass sie in der End-Position einen ganzen Takt lang verharren, bis sie wieder auflösen. 99 % der Paare klammern sich verzweifelt aneinander fest, damit sie nicht umfallen, weil sie den Seitschritt auf die 4 – 1 schon 1/4 drehen, dann das freie Bein mitsamt Bein fast schon im Stil einer Ronde rüberwerfen und den Fuß auf die 2 eingedreht vorne hinklatschen. So kann halt niemand stabil stehen bleiben. Was gerne noch durch eine viel zu späte, dafür umso ruckartigere Führung des Herrn unterstützt wird, so dass es die Damen fast von den Beinen holt, wird von den Herren gerne mit hämischem Lachen quittiert. Ich zeige ihnen dann, wie es richtig geht und wie lange sie alleine problemlos stehen bleiben können, wenn die Fußpositionen, die Gewichtsverteilung usw. stimmen. Ab da habe ich sie alle! Und dann fragen sie auch schon mal von alleine, wie sie die unbequeme Hoppelei im Quickstep loswerden, ob sie es vielleicht auch hinbekommen können bei Jive Spin turn 1. überhaupt rumzukommen und 2. nicht umzukippen und ob das Gezerre beim Discofox denn so sein muss. Und sie laufen brav auch mal 10 Minuten durch die Halle, um für Westcoastswing zu üben, die Füße von vorne bis hinten und zurück abzurollen und nicht einfach nur platt auf den Boden zu klatschen. Sie bekommen bei mir alle, auch die Anfänger, Grundprinzipien und Charakteristik der einzelnen Tänze erklärt, angepasst auf ihr aktuelles tänzerisches Vermögen, aber es hilft ihnen ja weiter, wenn ich beispielsweise nicht bei jeder Westcoastswing-Figur separat erklären muss, was ein Anchorstep ist und wie man ihn tanzt, dass er seine Aufgabe erfüllen kann. Das lernen sie als Prinzip für alle Figuren und dann müssen sie zukünftig nur das dazu lernen, was davor kommt.

    Was ich erst mit den Jahren verstanden habe: Wenn man bei unterschiedlichen Tanzlehrenden Unterricht hat und sich auch bei YouTube & Co. umschaut, es gibt unterschiedliche Konzepte und Schwerpunkte, was den einzelnen wichtig ist. Das hat mich lange verwirrt, ich wollte die eine richtige Weise wissen, wie man etwas vermittelt. Inzwischen empfinde ich das als sehr bereichernd. Beispielsweise ist das Konzept, das Oleg vermittelt, mit wenigen Grundbewegungen gleich mehrere Tänze zu lernen (Box-Step, Triple-Step, Rock-Step, Walk sind es, glaube ich), die sich dann lediglich etwas in der Ausführung unterscheiden, wäre mir nie in den Sinn gekommen, hilft aber manchen Menschen weiter, weil sie dann gleich einen Wiedererkennungseffekt haben und bei neuen Tänzen verschiedene, bereits bekannte Elemente aneinanderreihen können, anstatt die neuen Schritte sich einzeln einprägen zu müssen.

    Ohje, viel zu viel geschrieben, sorry.

    Bleibt einfach so wunderbar, wie ihr seid, lasst euch nicht beirren!
    LG Claudia

  5. Danke lieber Dado für diesen Beitrag. Ich habe über Kurse zu meinen Schulzeiten, in größeren Abständen diverse Spezialkurse, und nun seit Jahren Ballroom bei euch, schon einige Einheiten erfahren. Die Lehrstile haben sich verändert, sowie auch der Zugang der Lernenden. Mir fiel gefühlt schon auf, dass die Technik etwas in den Hintergrund trat, um durch schnelleres Erlernen einiger Figuren, den Menschen, einen rascheren Erfolg zu geben (vorzugaukeln?) . Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass es mich nicht befriedigt, die richtige Schrittfolge zu kennen und mich nicht in der Basis zu verbessern bzw. zu festigen. Daher gefällt mir dein Appell und ich hoffe, dass er die meisten zu positiven Gedanken anregt.
    Viel Spaß und keep on dancing
    Wolfgang

  6. Hallo Dado,

    ich kann dir nur zustimmen! Und ich kann inzwischen behaupten, die Situation von beiden Seiten erlebt zu haben.
    Wenn ich von einem Festival zurück komme, dann sind es nicht die Figurenfolgen die “hängen geblieben” sind, sondern eben die Konzepte, Techniken, Übungen, etc …
    Und eben diese Dinge haben mich in meiner Entwicklung weiter gebracht.
    Diese Erkenntnis hatte ich unmittelbar nach meinen ersten Festival-Besuchen.
    Wenn ich jetzt selbst unterrichte, dann spiegelt sich das in meinen Prioritäten wieder.

    Im Endeffekt ist es hier, wie auch sonst so oft beim Tanzen oder im Leben, eine Frage der Prioritäten.

    Für mich hat im Kurs:
    * Sich weiter zu entwickeln eine höhere Priorität, als Spaß zu haben und
    * Spaß zu haben eine höhere Priorität, als es sich bequem zu machen.

    Es ist völlig ok, wenn jemand mit seinem Partner einen netten gemeinsamen Abend verbringen will, und sich bei leichter Unterhaltung entspannen und von den Strapazen des Tages erholen will.
    Problematisch wird es meiner Meinung aber, wenn diese unterschiedlichen Prioritäten und damit verbundenen Erwartungen im selben Kurs aufeinandertreffen.

    Lösung hab ich da natürlich auch keine, aber vermutlich hilft es schon wenn man sich selbst bewusst wird was man eigentlich will, und das auch klar kommuniziert.
    So gesehen schätze ich durchaus, wenn Unterrichtende zu Beginn ihre Prioritäten klarstellen.

  7. Lieber Dado, dieser Podcast hat mich sehr berührt. Vieles ist schon gesagt. Ich liebe das Überdurchschnittliche und das finde ich eben nicht in der Tanzschule, sondern nur hier. Die Technik ist Voraussetzung für das Tanzen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Wie du die Technik vermittelst ist immer lebendig und mit Genuss. Leider lässt sich die Erfahrung bei den Tanzlehrern auch auf die Tänzer übertragen. Diejenigen, die am wenigsten können, kritisieren am meisten an meinem Tanzen herum mit einer fadenscheinigen Begründung, dass ich noch nicht so viele Jahre an Tanzerfahrung mitbringe wie sie selbst – und das obwohl sie nur mittelmäßig tanzen. Den wirklich guten Tänzern hingegen fällt meine Geschmeidigkeit und der Ausdruck auf, den ich in den letzten beiden Jahren in der SDA bei euch lernen durfte. Doch leider sind die guten Tänzer sehr selten.
    DANKE für euren Einsatz.
    Liebe Grüße
    Gabi