Ich bin kein Superheld-Fan, aber ich habe letztens in einem Podcast einen Satz gehört, der mir in Erinnerung geblieben ist.
Der Host hat Batman und Superman verglichen und sagte: Batman ist zwar ein Superheld – aber im Gegensatz zum Superman einer ohne Superkräfte.
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde daraus ein Tanzthema.
Schau dir die zwei mal an:
Superman kann fliegen, weil er Superman ist. Er muss nichts dafür quasi nichts tun. Superkraft eben…
Batman kann… eigentlich nichts dergleichen. Der Kerl ist ein ganz normaler Mensch. Kein Röntgenblick, keine Kugeln, die abprallen, nicht mal schweben.
Und trotzdem spielt er in derselben Liga.
Was aber Batman hat, sind Systeme. Werkzeuge. Vorbereitung. Für jede Situation einen Plan, den er sich vorher zurechtgelegt hat.
Batmans stärkste Waffe ist eigentlich sein Gürtel.
Da ist keine einzige Superkraft drin. Da sind lauter kleine Werkzeuge drin, von denen jedes für eine bestimmte Situation gemacht ist.
Und genau so funktioniert Tanzen auch.
Woher kommt eine stabile, geschmeidige Bewegung? Vom Boden. Aktiver Bodendruck ist ein klares Werkzeug.
Wie wird eine Führung klar? Über Körperspannung, die aus diesem Bodendruck entsteht – nicht über Arm-Kraft.
Auch ein Werkzeug.
Wie werden Basics geschmeidig? Über Bewegungsqualität in den wenigen Figuren, die du längst kannst. Auch ein Werkzeug.
Klingt alles irgendwie unspektakulär, oder?
Ist es auch. Genau deswegen greift kaum jemand danach. Werkzeuge alleine machen auf Instagram nichts her. Eine fancy Figur sieht sofort nach etwas aus.
Aber am Ende eines Abends erinnert sich dein/e Partner/in nicht an die fancy Figuren.
Sie erinnert sich daran, wie es sich das ganze Erlebnis angefühlt hat.
Mehr als eine nette Metapher
Der Author James Clear („Atomic Habits“) sagt:
„Du steigst nicht auf das Level deiner Ziele – du scheiterst am Level deiner Systeme.“
Das Original-Zitat stammt vom griechischen Dichter Archilochos:
„Wir erheben uns nicht auf das Niveau unserer Erwartungen. Wir fallen auf das Niveau unseres Trainings.“
Was bedeutet das für uns Social Dancer?
Wenn das Licht gedimmt wird und die Musik läuft, tanzt du auf der Tanzfläche (leider) meistens nicht das, was du dir vorgenommen hast.
Du tanzt das, was ohne Nachdenken funktioniert – was dein Körper und deine Instinkte hergeben – das, was du vorher trainiert hast. Oder eben nicht!
Und das ist eigentlich keine schlechte Nachricht. Das ist die beste Nachricht überhaupt.
Denn Systeme kann man sich bauen und antrainieren. Das fühlt sich dann an als hätte man Superkräfte!
Die Supermans auf der Tanzfläche
Auf jeder Tanzfläche steht mindestens einer, bei dem alles fließt. Nichts wirkt angestrengt. Die Person tanzt nicht, sie schwebt förmlich.
Und du stehst daneben und denkst: Das schaffe ich nie.
Ich kann das sehr gut verstehen!
Aber:
Du siehst nur den Flug.
Du siehst nicht die Jahre davor. Du siehst nicht die Stunden vor dem Spiegel und all das, was er oder sie zwanzig (wohl eher zwei hundert) Mal verhaut hat, bevor es leicht ausgesehen hat.
Der Vergleich mit einem „Superman“ oder mit einer „Superwoman“ bringt dich ungefähr so weit wie ein Umhang im Windkanal. Sieht zwar spektakulär aus, bewegt dich aber keinen Millimeter. 😅
Und dann sind da auch noch Robin und Alfred (Butler)
Ausgerechnet der ohne Superkräfte, der düstere vermeintliche Einzelgänger, verlässt sich sehr wohl auf ein Super-Team.
Der Superman werkelt alleine!
Damit sind dein/e Partner/in, dein/e Tanzlehrer/in, Tanzmentor/in und co. gemeint.
Mein Wunsch für dich
Erlaub dir, kein Superman sein zu müssen.
Ja, manche sind tatsächlich mit Super-Tanzkräften geboren und lernen alles soooo schnell – superheld-mässig schnell…
Aber die meisten tatsächlich nicht – egal, was uns Social Media weismachen will.
Du musst nicht hochbegabt sein, um passabel zu tanzen und ordentlich Spaß dabei zu haben. Du musst nur aufhören, auf Begabung zu warten, und anfangen, dir konkrete Werkzeuge zu holen. Wie Batman.
Und hör auch auf dich mit anderen zu vergleichen.
Du wirst nie wie sie werden. Sie werden aber auch nie wie du werden.
Du kannst aber sehr wohl die bessere Version von DIR werden. 💪
Was auch immer besser für dich ist.
Das ist der einzige Weg, den ich sehe.
Alles andere lenkt dich nur davon ab.
Meine Empfehlung:
Such dir EIN Werkzeug in einem Bereich aus, von dem du weißt, das es dein Flaschenhals ist. Etwas, was dich am meisten hindert besser zu werden.
Dann nimm dir ein paar Minuten täglich (alleine oder mit deinem Robin) und wiederhole genau dieses eine Ding. Nicht irgendwelche Figuren aus YouTube – nur dieses eine Ding!
In ein paar Wochen schaust du es dir nochmal an. Wenn es sich gebessert hat – dran bleiben.
Wenn nicht – ermitteln warum und etwas ändern.
Dann liegt es nicht an deinem Talent – dann liegt es daran, dass dein System noch keines war. Und das kannst du ab heute schon ändern.
Wenn du Hilfe beim System und Feedback brauchst, schau unten im P.S. nach! 😉
Häppy Dancing und lg aus unserem Sommerurlaub in Italien,
Dado
P.S.
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