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Gleichberechtigung in der (Tanz)Gesellschaft? – Social Dancing Blog

Nach zahlreichen Diskussionen, die ich in den letzten Wochen im Fernsehen und im privaten Kreise mitverfolgen durfte, denken Dado und ich oft über das Wort „Gleichberechtigung“ nach. Vor allem im Tanzen stellt sich auch immer wieder die Diskussion des „Führens“ und „Folgens“. Ist jemand der führt mehr wert und jemand der folgt weniger? Gibt es eine Gleichberechtigung der beiden Tanzpartner? Und was muss ich dafür tun, um diese zu erreichen?

Meiner Meinung nach läuft vieles in den Diskussionen ein wenig irr, denn ich glaube, wir wünschen uns viel mehr eine GLEICHWERTIGKEIT und eine DISKUSSION über die Wünsche und Anliegen von verschiedensten Positionen, Rollen und Aufgaben.

Natürlich liegt in vielen Bereichen noch Vieles im Argen, aber hilft diese Richtung der Diskussion, dieses nachhaltig zu verändern ohne dabei die Konsequenzen zu vergessen?

Wäre es nicht zielführender, die GLEICHWERTIGKEIT eines Menschen egal welchen Geschlechts, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung etc. in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken, die Aufmerksamkeit den Bedürfnissen zu schenken, und die Rollen oder Positionen mit all den Zugeständnissen und Konsequenzen zu definieren?

Wir als Gesellschaft müssen umdenken, und das Umdenken wird meist nur möglich, wenn man dabei keine Bedrohung empfindet und jeder einzelne in dieser Gesellschaft Wertschätzung und Anerkennung für seine Rolle erfährt, sofern sie der Gemeinschaft dient. Wie könnten wir diesem Gedanken ein Stückchen näher kommen?

Doch dieses Umdenken muss unserer Meinung nach im Kleinen beginnen…in sich selbst und in der eigenen Familie. Oft höre ich den Argumentationen von Frauen und Männern zu und höre dabei vor allem das Fehlen des Selbstwertes.

Auch ich empfinde Vieles als „unfair“ – doch wir können dies nur verändern, wenn beide Seiten einer Diskussion das Zuhören lernen, wahrscheinlich die wertvollste Aktivität eines Menschen. Wir reden oft so viel, dass wir nicht einmal uns selbst zuhören und schon gar nicht unserem Gegenüber. Und das selbst wenn wir einer Meinung sind. Wenn aber die Meinungen auch noch auseinander gehen, schaltet unser Unterbewusstsein diese wertvolle Gabe des Zuhörens oft aus. Schade…

Achtsamkeitsproblem

Unserer Meinung nach hat die Gesellschaft nicht so sehr ein Gleichberechtigungsproblem sondern vielmehr ein Achtsamkeitsproblem.
Mit mehr Achtsamkeit auf unserem Gegenüber gerichtet hätten wir das Problem der Gleichberechtigung höchstwahrscheinlich gar nicht, oder?
Unser österreichischer Benimm-Guru Ellmayer hat in seinem letzten Artikel das Wort Achtsamkeit wie folgt definiert:

Achtsamkeit bedeutet, dass man sich Mühe gibt, sensible Themen, Vorlieben, Stärken, etc. seines Gegenübers zu registrieren.

Registrieren sagt er…
Und ich gebe dazu noch eine Prise Empathie und einen Spritzer Vertrauen dazu und fertig ist der „Miteinander-Eintopf“! 😉
Achtsamkeit ist der Schlüssel, der die Tore des Miteinanders öffnet. Ohne diese Eigenschaft bleiben diese Tore für immer verschlossen. Dann gibt es nur noch ein Nebeneinander. Für viele ist das mittlerweile leider die Norm geworden. Wir können das aber besser, oder nicht?

„Gleichberechtigung“ im Tanzen?

Um auf das Tanzen zurück zu kommen. Ich, Conny, liebe meine Rolle als Follower, wenn ich spüre, dass ein Leader mir seine Aufmerksamkeit schenkt und auf mich eingeht. Dado liebt seine Rolle als Leader, wenn er merkt, dass Follower ihm vertrauen und ihr bestes geben, um das „Projekt eines gemeinsamen Tanzes“ „erfolgreich“ werden zu lassen.

Jede Rolle hat den gleichen Wert aber andere Aufgaben und Funktionen. Denn würden beide zur gleichen Zeit führen oderfolgen, könnte es keinen gemeinsamen harmonischen Tanz geben. Es ist wie in einer guten konstruktiven Diskussion – eine Mischung aus Zuhören, Aufnehmen, Eingehen und seinen eigenen Standpunkt darlegen.

Was wir auch aus dem Tanzen lernen: Jede Rolle hat immer unterschiedliche Anteile in sich. Ein Leader schlägt zwar eine Figur vor, aber dann folgt er (oder sie 😉) idealerweise der Reaktion des Followers. Ein Follower setzt zwar den Vorschlag um aber mit der persönlichen Individualität, die der Leader hoffentlich registriert und in seiner Führung aufnimmt. So wird jeder Tanz einzigartig, dynamisch und spannend auf seine Weise.
Sonst haben wir einen Einheitsbrei: der Leader führt immer die gleichen Moves auf die gleiche Art und Weise, unabhängig von der Reaktion des Followers. Der Tanz wird vorhersehbar, unkreativ und einfach nur langweilig. 

Alles ist immer ein Teamwork und steht und fällt mit der Achtsamkeit und dem Hören der Bedürfnisse.

Rolle

Besonders wichtig  wäre für mich,  die verschiedensten Rollen im Leben von der Genderthematik zu befreien.
Ob private oder berufliche – verschiedenste Rollen bringen unabhängig vom Geschlecht verschiedensten Anforderungen und Konsequenzen mit sich.

Für mich gilt es vor allem diese Aspekte unabhängig vom Geschlecht zu definieren und dies bereits unseren Kindern und auch in der Schulbildung weiterzugeben.

Bin ich bereit, diese Rolle mit allen Bedinungen und Konsequenzen einzunehmen?

Hinzu kommt, dass wir biologisch nicht aus dem Unterschied von Mann und Frau hinauskommen. So sehr einige das vielleicht gerne hätten, sind die anatomischen und biologischen Bedingungen von Mann und Frau  unterschiedlich. Es macht für mich einfach keinen Sinn, diese gleichstellen zu wollen. Sie sind GLEICHWERTIG aber einfach nicht gleich! Jeder/jede hat Stärken und Schwächen, Aufgaben und Konsequenzen, die z.B. mit einem gemeinsamen Kind auf  Paar zukommen. Es gilt dabei die Bedürfnisse des anderen zu hören, wahrzunehmen und einen Konsens zu finden.

Meiner Meinung nach müssen wir daran arbeiten, dass wir das eine nicht als besser oder schlechter empfinden, sondern an der Wertschätzung für beide Seiten arbeiten.

Und es ist nun mal so, dass gewisse Rollen besser zum einem als zum anderen passen – Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ich persönlich z.B. genieße es, wenn Dado den Einkauf oder unsere Koffer trägt, weil ich mich viel mehr damit plagen würde als er. Dafür genießt er es, wenn ich mich um die organisatorischen Belange unseres Zusammenlebens kümmere, weil ich viel weniger Energie dafür brauche als er. Eine Synergie…

Auch wäre es wichtig, an der Befreiung von Rollen in Zusammenhang mit dem Geschlecht zu finden. In meinem Kopf  ist die Rolle des Arztes weder männlich noch weiblich definiert. Arzt ist ein Beruf unabhängig von der Person, die sie ausübt. Würden wir das unseren Kindern beibringen, würden wir eventuell uns auch im sprachlichen Gebrauch des Genderns leichter tun. Denn ich fühle mich genauso als Tänzer wie als Tänzerin! Für mich persönlich macht das keinen Unterschied, denn ich sehe den Tänzer als eine Rolle, die ich einnehmen kann und mag.

Wo ich Bedarf sehe, sind die Begriffe auszutauschen wie z.B. „Krankenschwester“ die weiblich oder männlich definiert sind. Aber lasst uns doch einen Begriff finden, der dann für beide gilt.

Was wir tun können? Hören wir uns als Start selbst zu, erkennen wir unsere eigenen Bedürfnisse,  vor allem unseren Selbstwert und arbeiten wir täglich daran, uns selbst zu lieben aber auch den anderen um uns herum Aufmerksamkeit zu schenken.


Und ACHTUNG: unsere eigenen Bedürfnisse wollen genau betrachtet werden und die Beweggründe dahinter verstanden werden! Denn nur dann können wir der nächste Generation Liebe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung weitergeben, die unserer Meinung nach für eine erfülltes Zusammenleben in der Gemeinschaft so wichtig sind.


Und wenn du die Sinnhaftigkeit dieser Zeilen immer noch nicht begreifen kannst, und du dir wie ein guter Samariter oder gar ein guter Todel vorkommst, dann könnte das helfen:

Wir alle geniessen es, gemocht zu werden, ob wir es zugeben oder nicht. Wenn du deiner Umgebung mehr Achtsamkeit und Empathie schenkst, wirst du auch mehr gemocht. 😉

Das ist schon mal ein guter Start. Irgendwann in diesem Prozess wird es dir tatsächlich Freude bereiten und es wird dich erfüllen, andere wertzuschätzen, sie zu beachten und ihnen Gutes zu tun.
Erwarte nur bitte nicht, dass der Andere diesen Schritt macht. 😉

In diesem Sinne hoffen wir, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, aber diese Gedanken vielleicht ein wenig zum Nachdenken und Diskutieren anregen.

Dance And Make A Difference!

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