Zwei Pärchen, gleicher Tanzabend, gleiches Tanzniveau.
Gleiche Musik, gleiche Tanzfläche, ungefähr gleich viele Tanz-Hoppalas.
Das Eine fährt heim, grinst über das ganze Gesicht und tauscht sich über den wunderschönen Tanzabend aus.
Das Andere schweigt sich auf dem Weg nach Hause an.
Der Unterschied in Stimmungen danach ist gar nicht auf der Tanzfläche entstanden.
Der war schon vorher da – im Kopf!
Es ist die Erwartungshaltung, die wir zu erfüllen haben…
Ich kann das sehr gut verstehen.
Man nimmt sich was vor. Man hat geübt. Man will, dass es sich endlich mal so anfühlt, wie es sich anfühlen soll.
Aber genau das ist die Falle.
Der Author James Clear hat dazu einen Satz, der sich bei mir seit Langem eingebrannt hat:
„Deine Erwartungen bestimmen dein GLÜCK mehr als deine ERGEBNISSE.“
Nicht dein Tanzen entscheidet über den Erfolg des Tanzabends.
Deine Erwartungshaltung tut es noch viel mehr.
„Aber ohne Erwartungen/Ziele werde ich doch nie besser!“
Den Einwand höre ich in Coachings ständig. Und er ist berechtigt… aber nur halb.
Clear sagt dazu:
„Erwartungen können als Antrieb hilfreich sein – und als Messlatte hinderlich.“
Im Paartanz heißt das:
Beim Üben zu Hause, im Kurs, im Drill – da darf/soll die Erwartung laut sein.
Es ist sehr wohl hilfreich akribisch und genau beim Üben zu sein – so wachsen wir in jeglichem Sinne. Ich empfehle aber trotz alledem auch eine gewisse Gelassenheit und Geduld, was die Umsetzung angeht. Viele Bewegungskonzepte brauchen einfach ihre Zeit, bis sie sitzen. 🤷♂️
Zusätzlich dazu:
In der Sekunde, in der du auf die Tanzfläche gehst, legst du am besten jegliche Messlatte weg – sowohl an dich selbst als auch an deine/n Partner/in.
Das ist eine perfekte Kombination für freudige Tanzabende, die langfristig super funktioniert.
Dieser Zugang hat unsere Tanz UND Lebensbeziehung gerettet – wirklich!
Vor Jahren hatten Conny und ich viele viele Diskussionen und viele sehr stille Autofahrten nach den Tanzabenden. 🙈
Wir mussten aber etwas ändern, sonst wären wir heute wahrscheinlich nicht mehr zusammen. Puh! 😅
Apropos…
Die gefährlichste Erwartung ist die, die du nie ausgesprochen hast.
Du gehst rein und denkst dir – halb bewusst, halb nicht:
„Heute führt er endlich mal so klar wie im Kurs.“
„Heute läuft sie mir hoffentlich nicht wieder voraus.“
„Heute ist er bitte mal entspannt.“
Das ist uns damals zum Verhängnis geworden.
Denn damit steht der Partner in einer Prüfung, von der er oder sie nichts weiß.
Wurde nie gefragt. Hat nie zugestimmt. Trotzdem durchgefallen.
In genau dem Moment wird aus einem Tanz eine Bewertung. Und das spürt man.
Durch die Körpersprache aber vor allem durch dein Gesicht, bevor du überhaupt was gesagt hast.
Kennst du das?
Ich nur zu gut! 🙈
Das Verrückte daran:
Dein Partner hat womöglich EXAKT dasselbe gemacht. Mit einem Vertrag, von dem du nichts weißt.
Zwei Menschen, zwei ungefragte Prüfungen, ein Tanz. Kein Wunder, dass die Autofahrt nach Hause so still ist. 🙈
Es gibt aber auch oft das Szenario, dass ein Partner glaubt, die andere Seite hätte eine bestimmte Erwartung an ihn oder sie. Dabei wurde diese Erwartung in Wahrheit nie wirklich ausgesprochen …
Falls du nur eine einzige Sache aus diesem Newsletter mitnimmst, dann diese:
Eine Erwartung, die du nicht ausgesprochen hast (oder dein Gegenüber), ist keine Vereinbarung. Sie ist eine Falle – für euch beide.
Sprich sie aus, redet darüber. Dann wird eventuell eine Absprache daraus.
Das haben wir damals getan!
Noch besser: lass diese Erwartung überhaupt gehen, dann wird Vorfreude daraus. 🤩
Beides ist besser als der stille Vertrag.
Mein Wunsch für dich:
Erlaub dir, auf dem Weg zu sein, ohne dauernd zu prüfen, wie weit du schon sein müsstest.
Suche ständig nach Freude und Genuss auf dem Weg – denn dieser Weg IST das Ergebnis …
Häppy Dancing,
Dado