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RICHTIG und FALSCH im Social Dancing

und das große Problem von diesem "Konzept"

Das Prinzip von richtig und falsch ist so alt wie die Welt… zumindest seit dem es Menschen auf der Welt gibt. 😉
Wir Menschen fühlen uns wohler, wenn wir ganz klar wissen, ob etwas gut oder schlecht, weiß oder schwarz ist. 

Dann können wir uns viel leichter entscheiden, welchen Weg wir gehen. Und noch besser ist es, wenn uns diese Entscheidung abgenommen wird. 😉

Im Social Dancing ist es nicht viel anders. Viele wollen von ihrem Tanzlehrer oder ihrer Tanzlehrerin wissen, was richtig und was falsch ist.
Wie wir aber alle wissen, gibt es viele Graustufen und feine Nuancen dazwischen. 

Und dazu kommt, dass Vieles eine Frage der Perspektive ist…

Tanzen im Allgemeinen ist weit weg von einer genauen Wissenschaft. Die wenigsten Komponenten im Tanzen lassen sich einfach und straight mit richtig oder falsch bezeichnen.

In unserem Unterricht wirst du seeeeehr selten diese zwei Worte vorfinden. Und wenn, dann geht es meistens um Nobrainer wie Sicherheit, Gesundheit, Respekt, oder eben um körperliche Voraussetzungen wie z.B. die Aufrichtung.

Unserer Erfahrung nach werden vor allem meistens persönliche Präferenzen des Lehrenden als richtig oder falsch bezeichnet und nicht die fundamentale körperliche Bewegungsgrundlagen. 

Das große Problem mit richtig und falsch

Es gibt viele Tanzinstruktor*innen, die sehr leichtfertig mit den Begriffen richtig und falsch umgehen.
Viele sagen sie oft unbewusst und die anderen setzen diese Herangehensweise bewusst ein, um dadurch den Lehrenden Klarheit zu verschaffen und ihnen zu zeigen, was sie tun sollen und was nicht.

Für viele birgt es auch die Chance, sich dadurch auf ein Podest zu stellen, denn wer will denn nicht vom „wahren Wissenden“ lernen? 😉
So entstehen (oft selbst ernannte) Gurus
Oft eine Kompensation aus Unwissenheit, Unsicherheit oder manchmal auch Geschäftsmodell.

Zurück zum Thema…

Für uns gibt es einige wichtige Punkte, die wir schon oft erwähnt haben und immer wieder erwähnen wollen:

Wir Menschen tendieren sehr schnell unsere eigenen Weltansichten als eine Tatsache zu sehen. 

Dabei ist das einfach unsere Version der Realität.
Jemand anderer sieht dieselbe Sache eventuell komplett konträr und oft ist es so, dass beide Recht haben…That´s life! Siehe das Bild oben…

Und jetzt komme ich zu meinem größten Problem mit richtig und falsch – dieser Zugang bremst unsere Weiterentwicklung!

Wie das?

Wenn ich heute in meinem Unterricht behaupte eine Technik wäre richtig und die andere falsch, dann werde ich schwer meine Meinung ändern wollen und offen für Neues sein, oder? 

Dann bin ich nämlich eher damit beschäftigt meine These zu verteidigen und Gründe zu finden, warum sie richtig ist und das andere falsch. Denn ich möchte ja auch meine Authorität und Kompetenz als Lehrer behaupten, oder?

Wenn wir aber unseren Gedanken und Meinungen keine absolute Werte vergeben, sondern uns erlauben, neue Gedanken aufzunehmen und sie mit den bestehenden zu kombinieren und zu vergleichen…
Tjaaa, dann geben wir uns gleichzeitig auch die Erlaubnis, unsere Meinung weiter zu entwickeln, da kein selbst auferlegter Druck da ist…

Das ist einer der Gründe, warum so genannte „Old School-Instruktoren“ immer noch auf ihren alt bewährten Konzepten kleben und keine neuen annehmen wollen/können. Sie haben oft Angst zuzugeben, dass sie früher… Achtung, es kommt…. falsch waren..
Sie waren früher nicht falsch – es hat damals auch in ihr Konzept gepasst, nur haben sie sich nicht weiter entwickelt!
Schade für ihre Kursteilnehmer*innen…

Dabei hätten gerade die erfahrenen Lehrer*innen die Kapazitäten, die Erfahrung und den notwendigen Weitblick, den „alten Konzepten“ ein frisches und nachhaltiges Update zu verpassen. 

Ansonsten werden wir immer (und noch öfter) diese endlosen und sinnlosen Debatten zwischen dem Traditionellen und dem Modernen haben. 

Was ist besser? Was ist gut und was ist schlecht?

Und was die ganze Sache noch (unnötig) komplizierter macht ist, wenn wir eine Meinung über die (eigene) Meinung haben!

Huiiii….
An dieser Stelle wiederhole ich wieder eine Weisheit, die mich seit Jahren begleitet:

 „Der Kopf ist deswegen rund, damit unsere Meinung ihre Richtung ändern kann!“

Und passend dazu kommt noch eine Weisheit von einem der größten Salsatänzer aller Zeiten – Frankie Martinez:

„Du bist wirklich frei, wenn du dich selbst von dem Konzept der Freiheit befreit hast!“

Lass das mal sinken!

Wir alle tragen viele Muster und Glaubenssätze in uns, die mit uns durch die Gegend fahren, und viele diese Muster checken wir gar nicht.
Noch problematischer wird es, wenn diese Glaubenssätze von außen und von anderen kommen… Diese Tür mache ich jetzt aber nicht auf! 

Der erste Schritt ist also, das Muster überhaupt wahrzunehmen. Dann kann man sich immer noch entscheiden, ob und was man damit tun will…
Beides ist oft keine leichte Herausforderung…

Meine großen Vorbilder

Zwei der größten Tanzinstruktoren aller Zeiten (mMn) Robert Royston und Skippy Blair (beide WCSwing Legenden) sind Paradebeispiele für genau diesen letzten Spruch. 

Robert Royston ist Lehrer der Lehrer und Skippy… na ja, sie war seine Lehrerin und sie ist fast doppelt so alt wie Robert – sie ist 96! 

Und sie schreibt immer noch ihren Newsletter mit Updates und neuen aufregenden Erkenntnissen zu ihren bestehenden Thesen über das Social Dancing. 

Neue Erkenntnisse mit 96! 😳
Wie inspirierend…

Diese beiden Herrschaften sind eine unglaubliche Quelle der Inspiration und des Wissens für hunderttausende Tänzer*innen auf der ganzen Welt unter anderem aus einem Grund – sie hören gerne Neues, sie sind lernhungrig, hinterfragen dauernd ihre aktuelle Meinung über bestimmte Themen und umarmen neue Konzepte.

Sie beide verstärken genau diesen Begriff – aktuelle Meinung! 

Denn die Meinung kann sich morgen wieder ändern, weil man etwas Neues, noch Effizienteres oder einfach einen anderen Weg zum selben Ziel gelernt hat. 😉

Fazit

Hin und wieder kommen Kursteilnehmer*innen zu mir und sagen, ich hätte doch letztes Jahr diesen Move oder jene Technik anders unterrichtet.
Dann sage ich stolz: „Das stimmt!

Ich habe inzwischen mehr darüber erfahren und habe einen effizienteren/eleganteren/schnelleren/anderen Weg gefunden, diese Technik zu vermitteln. 

Ich sehe es nicht in meiner Verantwortung, unseren Kursteilnehmer*innen immer das Gleiche zu erzählen, um Klarheit und Kontinuität zu bewahren. Das kann man auch (und noch besser), wenn man sich für neue Ansätze und Konzepte öffnet. 

Ein/e Lehrer/in ist umso besser, je mehr Wege er oder sie zum selben Ziel kennt.

Das ist leichter, wenn man keine Meinung über eine Meinung hat…;-)

(D)Eine Meinung ist wie eine Wolke – sie kommt und geht. Lass sie gehen. Vielleicht kommt sie wieder. Oder es kommt die nächste nach.
Und trotzdem (oder gerade deswegen): alles ist gut

Don´t stick to your thoughts,
Dance And Make A Difference

P.S. Nur weil ich über dieses oder andere Themen schreibe und meine Meinung darüber äußere, heisst es noch lange nicht, dass ich alle diese Aspekte gemeistert und verinnerlicht habe. Weit weg davon!
Aber ich bemühe mich täglich, sie wahrzunehmen und besser zu werden. Das ist mir gut genug! 😉

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6 Comments

  1. Dieser Blogpost hat mich so angesprochen, da muss ich glatt drunterkommentieren.

    Ich habe beim Lesen die ganze Zeit vor meinem inneren Auge Urban Kiz-Instruktoren gesehen, die mir sagen „You don’t do this in Urban Kiz“ und „This is how you lead the Urban Kiz“, und dann noch „The lady always follows the line“, nur um den selber beim Tanzen mit genau diesen Regeln zu brechen.
    Ich glaube, das ein Richtig/Falsch denken tatsächlich viele Vorteile hat, allen voran, dass man sich ab einem gewissen Punkt „kompetent“ fühlen kann. Wenn ich genau so führe, wie die oben erwähnten Instruktoren sagen, dann „kann“ ich den Tanz doch, oder? Wenn das der eine „richtige“ Weg ist eine Figur zu führen, dann muss ich mich beim Tanzen nicht auf meine Partnerin einstellen, dann macht sie offensichtlich etwas falsch, wenn sie meiner Führung nicht folgen kann.
    Ich finde das gerade beim Übergang zwischen Kizomba und Urban Kiz (was einfach der Bereich ist, in dem ich mich am „meisten“ auskenne, ich kann nicht beurteilen, wie das bei anderen Tanzstilen ist) sehr schade. Dieser Tanz erlaubt durch seine einfache Grundstruktur wahnsinnig viel Varianz und Kreativität, wenn man sich die Mühe macht. Anstatt das zu erlauben wird dann aber von vielen Instruktoren ein enges Korsett vorgegeben, das den „real Urban Kiz“ vorgibt. Sicherlich macht es das einfach einen Tanz zu lernen, aber ist es das wert?

    Eine meiner unangenehmsten Tanzerfahrungen war bei einem Festival mit einer Dame zu tanzen, die mir in einer Tour erklärt hat, dass ich falsch führe, weil ich nicht genau so führe, wie sie das im letzten Workshop gelernt hat. Von meiner Freundin weiß ich, das Männer das noch viel mehr tun: „When I do this, you lift your leg“ – und wenn sie nichts dergleichen spürt? Dann auch?

    Aber genug lamentiert, ich finde deinen Artikel jedenfalls super. Kreativität und Freiheit zeichnen einen Tanz erst aus, machen ihn interessant und abwechslungsreich. Und nichts nützt da weniger als eine Einteilung in „richtig“ und „falsch“. Tanzlerer*innen, die Konzepte statt Figurenfolgen und Variation statt „das ist der richtige Weg“ vermitteln sollte man nie mehr ziehen lassen.

    1. Ach, mein lieber Gabriel! Vielen Dank für deine Gedanken und Erfahrungen mit diesem Thema…
      Diese Anmerkungen und „Partner-Korrekturen“ direkt beim Tanzen finde ich einfach… na ja… zumindest respektlos und nicht hilfreich. Es sagt viel mehr etwas über diese Leute aus, die es tun, statt über die, die sie ausbessern. That´s human, I guess…🤷‍♂️

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